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Wie wird man eigentlich Professor?

Was Sie schon immer von mir wissen wollten, aber nie zu fragen wagten! Und warum eigentlich nicht?

Einer meiner akademischen Lehrer, Prof. Dr. Hans-Herrmann Francke von der „Albert-Ludwigs-Universität“ (ALU) Freiburg i. Br., sagte einmal vor vielen Jahren: „Uni-Professor wird man, wenn man es (wirklich) will“. Na ja, so ganz stimmt das nicht. Irgendwann kommt der Punkt, wo es auch andere wollen müssen, nämlich die Berufungskommission bzw. die Fakultät, die dem Senat der Universität und dieser wiederum dem Wissenschafts-Ministerium einen „Ruf“ auf eine Professur bzw. einen Lehrstuhl empfiehlt.

Bis es so weit ist, gibt es aber für einen selbst eine ganze Menge zu tun: Man sollte fleißig studieren, möglichst unter den besten 5% des eigenen Studienjahrgangs sein Examen machen und danach einen „Doktorvater“ finden, der bereit ist, die eigene Dissertation zu betreuen. Anders als früher (etwa an der LMU, aber mittlerweile an den allermeisten wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten) muss man heute – parallel oder vorab zur Anfertigung der Doktorarbeit – ein Doktorandenstudium absolvieren, bei dem man vor allem „Skills“ in Methoden erwerben soll (Ökonometrie, OR, experimentelle Ökonomik etc.). Auch schreibt man inzwischen während der Promotionszeit Artikel für referierte Zeitschriften (am besten in internationalen Journals), manche Doktoranden fassen dann einfach 3-4 Artikel zur Doktorarbeit zusammen. Das macht Spaß, aber es ist zugegebenermaßen durchaus auch anstrengend.

Die meisten von uns haben die Promotionszeit auf einer Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter (WIMI) verbracht. Neben der eigenen Arbeit gilt es, Übungen zu halten, Klausuren und Bachelor- sowie Masterarbeiten (früher: Diplomarbeiten) vorzukorrigieren, dem Chef bei seiner Forschung und seinen Vorlesungsunterlagen zuzuarbeiten. Also, die Arbeit ging einem nicht aus. Ich selbst habe die Dissertation als externer Doktorand geschrieben und bin erst dann als Promovierter („Post-Doc“) auf eine WIMI-Stelle gegangen. Je nachdem, wieviel Freiraum einem der Chef gewährt, kommt man auf einer WIMI-Stelle auch zu eigener Forschung. Bei mir war das Zeitbudget nicht gerade üppig, deshalb habe ich früh ein Habilitationsstipendium (24 Monate) bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) angepeilt.

Ich erinnere mich noch genau, wie ich im März/April des Jahres 1985 vormittags regelmäßig zur zentralen Poststelle der Albert-Ludwigs-Universität gepilgert bin. Um dann endlich den DIN A4- Umschlag mit der Zusage abholen zu können. Von Mai 1985 bis Ende April 1987 durfte ich dann – einschließlich eines Feldaufenthaltes in der ASEAN-Staaten – selbständig und konzentriert an meinem „zweiten Buch“ (wie die Engländer und die US-Amerikaner unsere Habilitationsschrift nennen) arbeiten. Im März 1987 habe ich die erste Fassung abgegeben, die sowohl von der DFG als auch vom Habilitationsausschuss meiner Freiburger Fakultät noch im gleichen Jahr (das dauert manchmal 6 bis 9 Monate) akzeptiert wurde. Im Januar 1988 erhielt ich die Lehrbefugnis für das Fach „Volkswirtschaftslehre“. Das ist dann mit dem Titel „Privatdozent“ verbunden, für den man sich allerdings nichts kaufen kann. 

Bis zum „Uni-Professor“ war es dann noch ein längerer Weg, über das „Kieler Institut für Weltwirtschaft“, an dem ich zwischen Juli 1987 und März 1989 gearbeitet habe und die Fakultät Wirtschaftswissenschaften an der „Justus-Liebig-Universität Gießen“ (JLU), wo ich zwischen April 1989 und Mai 1991 eine Professur-Vertretung übernommen hatte. Im Juni 1991 wurde ich schließlich zum Professor (auf Zeit) an der JLU ernannt.  

Da war ich gerade 37 Jahre alt geworden. Erst heute ist mir bewusst, wie viele und wie große Risiken ich mit der Entscheidung für eine akademische Karriere eingegangen bin. Wenn es klappt – bei mir folgten die Stationen an der TU Dresden und an der Universität der Bundeswehr München, wo ich jeweils einen Lehrstuhl inne hatte bzw. noch habe – ist es gut. Aber, wenn nicht? Für große Teile des Arbeitsmarkts ist man entweder zu alt oder (wenigstens partiell) überqualifiziert oder im schlimmsten Fall alles beides zusammen. In Freiburg i. Br. war es in den 1980er Jahren nicht ungewöhnlich, im Taxi von bei der Bewerbung um Professuren gescheiterten Privatdozenten gefahren zu werden. Was für ein herbes Erwachen!     

Die Moral von der Geschichte? „Drum prüfe, wer sich ewig (an) für die Wissenschaft (bindet) schindet, ob sie auch bei ihm wirklich zündet“. Das gilt natürlich auch für VWA-Studenten/Studentinnen: Wer es nach dem Bachelor noch bis zum Master schafft, erwirbt, bei guten Noten, die Möglichkeit zu promovieren. Mit dem Doktortitel in der Hand wären dann die wichtigsten Bedingungen erfüllt, um sich auf eine Fachhochschul-Professur zu bewerben. Denn dort wird eine Habilitation nicht erwartet, dafür aber sind einschlägige und erfolgreiche berufliche Erfahrungen ein Muss…….