Warum der katalanische Separatismus auch und vor allem eine unabhängige Republik anstrebt

Am 30. Januar 2018 beging Spaniens König Philipp („Felipe“) VI seinen 50. Geburtstag. Gründe zum Feiern gab es leider nur wenige:

Wie jedermann weiß, gibt es einige Fehler, die man wieder gutmachen kann, anderen haftet der Geruch des Irreversiblen an. Vor allem dann, wenn man sie, gewollt oder ungewollt, zweimal begeht. So ähnlich ergeht es dem spanischen Königsgeschlecht, den Bourbonen, mit Katalonien. Warum? Schauen wir zunächst in die ältere und dann in die jüngere Vergangenheit zurück:

Die Bourbonen kamen in Spanien endgültig im Jahr 1714 mit Philipp („Felipe“, Graf von Anjou und Enkel von Frankreichs König Louis XIV) dem V. an die Macht, nachdem der Nachfolgekrieg um das Reich des kinderlosen Habsburgers Karl II im Jahr 1713 (Vertrag von Utrecht) zu ihren Gunsten und zu Lasten des Hauses Habsburg ausgegangen war. Philipp V war im Umgang mit den Katalanen nicht zimperlich: So ließ er die Stadt Barcelona zwischen Juli 1713 und September 1714 14 Monate lang belagern bis schließlich Erzherzog Karl am 11.09.1714 kapitulierte und die hungernde Stadt dem Bourbonischen Regime übergab. Nur zwei Jahre später musste Katalonien seine Privilegien aufgeben, die sog. „Fueros“. Daran soll die seit dem Jahr 1980 in Katalonien jeweils am 11. September abgehaltene „Diada Nacional de Catalunya“, bei der zuletzt 100.000ende die Straßen Barcelonas säumten, erinnern.

Juan Carlos I, Vater des heutigen Monarchen, Philipp VI, wurde bekanntlich im Oktober 1975 König Spaniens, aber nicht etwa als Enkel des Bourbonen Alfons dem XIII (der seinerseits im Jahr 1931, nachdem die Republik ausgerufen worden war, Thron und  Spanien in Richtung Italien verließ und in seinem Römischen  Exil 1941 verstarb), sondern von Francisco Francos (1892-1975) Gnaden. Der langjährige spanische Diktator (1939-1975) hatte 1966 durch die ihm gefügigen „Cortes“ in der sogenannten „Ley Orgánica“ seine Nachfolge zugunsten von Juan Carlos (und zu Lasten dessen Vaters Juan, der seine Thronansprüche nicht aufgegeben hatte) regeln lassen. Allerdings tat er dies ausdrücklich nicht mit Bezug auf dessen dynastisches Anrecht auf den spanischen Thron, sondern mit direktem Verweis auf den Aufstand („Movimiento“) gegen die legitime, demokratisch gewählte Regierung der spanischen Republik im Jahr 1936.

Aus der Ehe (geschlossen im Jahr 1962) von Juan Carlos mit der griechischen Prinzessin Sofia ging im Jahr 1968 als Erstgeborener der heutige Monarch Felipe hervor. Seinen Eltern hätte eigentlich – gerade mal zwei Jahre nach der „Ley Orgánica“ – klar sein müssen, dass er, für den Fall, selbst den Thron einmal zu besteigen, unweigerlich zu König Philipp VI werden würde. Es sei denn, er hätte sich für einen seiner weiteren Vornamen Juan/Pablo/Alfonso entschieden. Damit signalisierte sein Name die direkte Nachfolge auf Philipp V und war geradewegs dazu angetan, bei den (oder wenigstens vielen) Katalanen unweigerlich negative Emotionen hervor zu rufen.

Dies wurde, nach der Abdankung seines Vaters Juan Carlos im Jahr 2014 und der anschließenden eigenen Thronbesteigung, schon bei seinen anschließenden Katalonien-Besuchen sehr deutlich. Bei verschiedensten öffentlichen Zeremonien, bis hin zur Schirmherrschaft von Pokalendspielen, etwa im „Nou Camp“ des FC Barcelona, wurde er regelmäßig (und weitaus deutlicher als zuvor sein Vater) mit einem gellenden Pfeifkonzert empfangen. Dies galt im Übrigen auch für seine Teilnahme am Aufmarsch der Spitzen aus der spanischen Politik nach dem Attentat auf die „Ramblas“ in Barcelona am 19. August 2017.

Nun hat Felipe die - auch vom Verfasser dieser Zeilen (vgl. NZZ vom 17.11.2017, S. 9) - herbei gesehnte versöhnliche und versöhnende Rede an das spanische Volk bisher leider nicht gehalten. Seine Weihnachtsansprache vom 24.12.2017 und auch seine Rede vor dem WEF in Davos am 24.01.2018 klangen erneut legalistisch, steif in Ton und Körperhaltung, von wenig Empathie gekennzeichnet.

Der Katalonien-Konflikt könnte sich noch so zuspitzen, dass den „Constitucionalistas“ (Anhänger der heutigen spanischen Verfassung) am Ende die Einheit Spaniens wichtiger werden könnte als der Erhalt der Monarchie: Dieser König, so will man meinen, schweigt sich daher, bildlich gesprochen,  um Kopf und Kragen.